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Hochschule für Bildende Künste Hamburg

Digitalisierung als/und künstlerische Praxis

Die HFBK Hamburg verbindet in ihren Projekten künstlerische Praxis mit den Möglichkeiten des Digitalen.

Stand: 07.03.2019

Einordnung

Konzeptionelle Verortung

Dieses Beispiel guter Praxis für die strategische Weiterentwicklung von Lehre und Lernen in digitalen Zeiten wird anhand des methodischen Konzepts allgemein der Ebene der Struktur und der Ebene der Kultur und im Speziellen den folgenden Dimensionen zugeordnet:

Rahmendaten

Umsetzungszeitraum

mittelfristig

Ressourcen

Finanzierung: Die Initiierung dieses Struktur- und Kulturwandels lässt sich zu einem bestimmten Grad auf die Bereitstellung von Ressourcen im Kontext der Hamburg Open Online University zurückführen. So konnten spezifisch sowohl Personalmittel aber auch Sachmittel für einzelne Aktivitäten und Projekte eingesetzt werden, um zunächst mit dem Thema der Digitalisierung zu experimentieren und die kulturspezifischen Kontextfaktoren einer Kunsthochschule zu berücksichtigen.

Politische Rahmung: Hamburg Open Online University (Verbundprojekt der FHH)

Akteur_innen

Wissenschaftliche Leitung der HOOU an der HFBK: u.a. Prof. Ingo Offermanns (Inter Graphic View), Prof. Robert Bramkamp (Innovatives Filme Machen), Prof. Christoph Knoth und Prof. Konrad Renner (Screencasting), Prof. Jesko Fezer (How to Öffentliche Gestaltungsberatung)

Projektleiterin HOOU an der HFBK: Beate Anspach

Beschreibung

Kurzbeschreibung

Die zunehmende Digitalisierung beeinflusst die aktuelle künstlerische Praxis. So hat sich innerhalb der bildenden Kunst eine Strömung entwickelt, die das Digitale sowohl zum Inhalt der künstlerischen Auseinandersetzung macht als auch als Material versteht. Diese Strömung – die auch unter dem Label der Post Internet Art zusammengefasst wird – hat seit einigen Jahren Konjunktur. Künstler_innen arbeiten (kritisch) mit dem und im Digitalen, setzen sich mit der Logik von Algorithmen, den gesellschaftspolitischen Aspekten der Digitalisierung der Alltagswelt auseinander und befragen die Möglichkeiten des Digitalen auf skulpturale oder bildliche Qualitäten. Es hat sich eine Kunstpraxis herausgebildet, die ohne das Digitale nicht denkbar wäre. Auch wenn diese Entwicklungen im Bereich der Zeitbezogenen Medien schon seit den 1990er Jahren zu beobachten sind, hat die breite Verfügbarkeit von digitalen Ressourcen (in Bezug auf finanzielle und technische Aspekte) gerade in den letzten Jahren zu einem exponentiellen Anstieg und zu einer gesteigerten Aufmerksamkeit für digitale Kunstprojekte geführt. Gleichzeitig stellen sich an Künstler_innen aber auch neue Herausforderungen in Bezug auf die (digitale) Vermittlung ihrer Kunst. Durch die sozialen Medien hat das Angebot von Abbildungen, Filmen und Texten über Kunst im Netz stark zugenommen. Facebook, Twitter, Instagram oder Snapchat sind wichtige Plattformen, auf denen sich Künstler_innen präsentieren (müssen), um eine breite Öffentlichkeit für sich und ihre künstlerischen Arbeiten zu erreichen. Kaum ein_e Künstler_in kommt heute ohne eine geeignete Webpräsenz aus – sei es über die eigene Homepage oder die Darstellung in den sozialen Medien. Aber sich auf all diesen Kanälen sicher zu bewegen und die richtigen Formen der Präsentation zu finden, setzt Kenntnis der unterschiedlichen Möglichkeiten voraus, sowie Übung im Umgang mit den Formaten.

Auf diese Entwicklungen reagiert die HFBK Hamburg sowohl auf Ebene der Strategie und Struktur durch gezielte Maßnahmen im Bereich der Lehre und der Professionalisierung. Dadurch wird eine curriculare Verankerung erreicht (Curriculumsentwicklung), die sich an die Studierenden in allen Studienschwerpunkten und Semestern (von den Anfängerklassen bis hin zu den Promovenden) gleichermaßen richtet. Ziel aller Aktivitäten im Bereich der Digitalisierung besteht darin, die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen zu kombinieren. Es geht um digitale Erweiterungen des bestehenden Lehrangebots sowie um Schaffung gänzlich neuer Formate. Gleichzeitig dienen all diese Maßnahmen der Ansprache und Involvierung einer interessierten Öffentlichkeit, die in die Vermittlungsprozesse direkt eingebunden wird. Dadurch sind neue Gruppenkonstellationen denkbar und ermöglichen die Arbeit an spezifischen Projekten, wie es die HFBK Hamburg durch ihre zahlreiche Kooperationen im „analogen“ Bereich bereits erfolgreich praktiziert.

Neben den curricularen Veränderungen schafft die HFBK Hamburg auf struktureller Ebene neue Professuren und richtet eine dezidiert digital ausgerichtete Werkstatt ein. Dadurch werden die existierenden Studienschwerpunkte um die Dimension des Digitalen erweitert, was zahlreiche Anknüpfungen bietet und aktuelle Entwicklungen zum integralen Bestandteil der künstlerischen Auseinandersetzung macht.

Handlungsfelder

Konkret hat die HFBK Hamburg zum Wintersemester 2016/17 eine neue Professur für Digitale Grafik geschaffen, die die Möglichkeiten des zeitgenössischen Webdesigns, des digitalen Publizierens sowie des experimentellen Arbeitens im Spannungsfeld transmedialer Gestaltung erforscht und weiterentwickelt. Außerdem wurde zum Wintersemester 2017/18 im Studienschwerpunkt Zeitbezogene Medien mit dem Künstler Simon Denny eine Professur angesiedelt, die die verschiedenen Aspekte digitaler Kunstprojekte aufgreift und künstlerisch verdichtet. Die Nähe zu Performance-Kunst, Video-Installation und Bildhauerei war dezidiert gewünscht und ermöglicht gegenseitige Querverweise und transdisziplinäre Überschneidungen.

Auch im Bereich der Werkstätten erfolgte eine Erweiterung um digitale Aspekte. Hier finden Lehrveranstaltungen statt, die die Aufgabe haben, einführende Kenntnisse aus den Material- und Anwendungsgebieten des jeweiligen Werkbereichs zu vermitteln und die notwendigen handwerklichen und technischen Fertigkeiten zu schulen. Außerdem dienen sie dazu, die Realisierung der jeweiligen künstlerischen Projekte aus den Studienschwerpunkten unter dem Aspekt ihrer spezifischen materialbezogenen Erfordernisse zu unterstützen. Durch ihre enge Verknüpfung mit den Studienschwerpunkten bilden die künstlerischen Werkstätten der HFBK insofern ein zentrales Moment der Lehre. Konkret geht es der zum Sommersemester 2018 neu geschaffenen Werkstatt „Digitales/Material“ um die Vermittlung grundlegender Kompetenzen in der Erzeugung, Bearbeitung und Ausgabe digitaler 3D-Daten, die Programmierung digitaler Steuerungen sowie die Visualisierung digitaler Daten oder Prozesse in Raum, Projektion, Fläche etc. Außerdem sollen Kenntnisse in der Erzeugung und Erfassung von digitalen Daten, deren Bearbeitung, Optimierung und Ausgabe auf unterschiedlichen technischen Endgeräten vermittelt werden.

Entwicklungsprozess

Ein wichtiger Schritt im Hinblick auf die Gestaltung dieses Entstehensprozesses war sicherlich die Partnerschaft im Verbundprojekt der Hamburg Open Online University. Hier schlossen sich 2015 alle staatlichen Hamburger Hochschulen zu einem Verbund zusammen, um innovative, offene und digital-gestützte Lehr- und Lernformate an der Schnittstelle zwischen Hochschulen und der Zivilgesellschaft zu entwickeln. Es wurde sehr schnell deutlich, dass z.B. eine Kunsthochschule andere Lehransätze verfolgt, als eine Technische Universität. Die spezifischen Lehransätze einer Kunsthochschule sind bspw. weniger problemorientiert, sondern vielmehr kollaborativ und partizipativ ausgerichtet. Ob im Gruppen- oder Einzelgespräch, die Auseinandersetzung über die künstlerische Arbeit erfolgt im gegenseitigen Diskurs.

Diese spezifischen Rahmenbedingungen der Gestaltung von Lernprozessen wurden auch in dem 2015 erstmals initiierten digitalen Lehr- und Lernprojekt im Kontext der HOOU aufgeriffen. In Zusammenarbeit mit der TU Hamburg wurde ein HOOU-Projekt gemeinsam über den Ansatz des sog. User-Story-Mappings entwickelt. Dieses basiert auf einem für die Kultur des Lernens an der HFBK Hamburg typischen offenen Beteiligungs- und Diskursmodell. Im Ergebnis wurde ein soziales Netzwerk rhizome.hfbk.net entwickelt und implementiert. In dem Netzwerk treffen Gastautor_innen, Studierende und Lehrende aufeinander, tauschen sich über kunstrelevante Themen aus und treten – unabhängig von ihrem jeweiligen Wissensstand und Hintergrund – in den Dialog. Dadurch wird nicht nur das Sprechen bzw. Schreiben über Kunst geschult, sondern auch gleichzeitig Wissen über aktuelle Ausstellungsprojekte und Diskurse transportiert.

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